Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Berliner an die Seen locken, wacht auch das Strandbad Wannsee aus seinem Winterschlaf auf. Fleißige Hände sind dann unermüdlich dabei das idyllische Kleinod für seine Besucher herzurichten. Den Menschen vor 1907 ging es da weniger gut. Heute ist es kaum vorstellbar, dass diese damals nicht im Wannsee baden durften. Der Stadtrat des Bezirks Teltow gab den Protesten nach und ließ im Mai 1907 den Wannsee badetauglich umbauen.
Strandbad Wannsee verschönert sich langsam aber beständig
Das Strandbad Wannsee liegt am Ostufer des großen Wannsees. Dieser Ausläufer der Havel gehört zu den größten Freibädern innerhalb Europas. Dass sich viele Sonnenanbeter dort bis heute wohlfühlen, daran ist sicher der Architekt Martin Wagner nicht ganz unschuldig. Er legte 1915 den Grundstein für den unaufdringlichen Charme des Strandbad Wannsee. Das 540m lange Gebäude ist denkmalgeschützt und wurde 1920 durch Richard Ermisch erschaffen.
Planschen, schwimmen, Urlaub machen wie ein Berliner
Wer seine Zehen im warmen Ostseesand steckt, kann es nicht glauben, sich im Strandbad Wannsee zu befinden. Auch das Gesamte amüsant und die Lage an sich, lassen die Adria oder die Ostsee denken, als am Wannsee. Hier säumen Liegestühle wie Strandkörbe das Ufer. Eine Rutsche und ein Sprungturm halten Spaß bereit. Wer lieber trocken bleibt, mietet sich ein Tretboot und sieht sich auf dem Wasser das muntere Treiben im Strandbad Wannsee an. Das Badezeug wider den Song „pack die Badehose ein“ nicht dabei, auf dem wartet ein abgeteilter FKK-Bereich. Hunger und Durst werden von Verkaufsständen oder dem Restaurant aus der Welt geschafft.
Kein „Wattwurm“, aber ein „Ohrwurm“ erwartet seine Gäste
Mit der Familie ins Strandbad Wannsee gehen oder lieber das Kulturangebot von Berlin annehmen und in die Oper gehen. Seit 2011 kann man kühles Nass und „heiße“ Musik miteinander verbinden. Die Seebühne mit Programm bekannter Obern lässt das Strandbad zu einem Konzertsaal werden. Im Jahr 2007 feierte das Strandbad Wannsee sein 100 jähriges Jubiläum. Die „Badewanne“ Berlins begeistert seine Besucher jedes Jahr aufs Neue.
Ein Ort voller Geschichte und stiller Rekorde
Was viele nicht wissen: Das Strandbad Wannsee besitzt mit über 1.275 Tonnen feinstem Ostseesand eines der größten künstlich angelegten Sandufer Europas – und dieser Sand wird regelmäßig erneuert, um die ursprüngliche Haptik zu bewahren. Selbst die Körnung wurde historisch festgelegt, um das Gefühl echten Meeresstrandes zu simulieren. Zudem ist das Wasser hier durch eine Kombination aus natürlichen Zuflüssen und Havelströmung besonders klar – eine Rarität unter Berliner Gewässern. Unterhalb der Uferpromenade sollen sich noch Reste alter Stege aus der Kaiserzeit befinden, die nie vollständig abgetragen wurden und heute ein kleines Paradies für Unterwasserfotografen sind.
Strandbad Wannsee – Berliner Lebensgefühl zwischen Geschichte und Zukunft
Heute präsentiert sich das Strandbad Wannsee nicht nur als Rückzugsort für Sonnenhungrige, sondern auch als Ort gelebter Berliner Identität. Zwischen historischen Kabinen und modernisierter Infrastruktur trifft Nostalgie auf Nachhaltigkeit: Neue Solaranlagen versorgen die Umkleidehäuser, und das Wasser wird teilweise durch ein umweltfreundliches Filtersystem gereinigt. Damit ist das Strandbad eines der ökologisch fortschrittlichsten Freibäder Deutschlands. Ein kaum bekannter Fakt: Die Form des Hauptgebäudes ist so konzipiert, dass sie den Verlauf der Sonne widerspiegelt – eine architektonische Hommage an den „perfekten Badetag“.